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SPINNEN, BEEINDRUCKENDE GESCHÖPFE

Spinnen sind sowohl wegen ihrem Aussehen, als auch aufgrund der Technik, die sie anwenden um die Beute zu fangen, schrecklich und beeindruckend zur gleichen Zeit. Bei manchen rufen sie Abscheu und Furcht hervor, bei anderen Neugier und Bewunderung, so dass sie sogar die Zucht dieser besonderen majestätischen Art aufnehmen.

Wir werden hier auf ihre Eigenschaften, auf die giftigen Arten und auf einige in Italien lebende Arten von besonderem Interesse eingehen, um diese Geschöpfe ein bisschen näher kennenzulernen.

SYSTEMATISCHE EINORDNUNG

Die Spinnen gehören dem Stamm der Arthropoden (Gliederfüsser) an, der hauptsächlich durch die gegliederten Beine (daher der wissenschaftliche Name), durch den in Segmente geteilten Körper, die bilaterale Symmetrie und das Exoskelett gekennzeichnet ist. Dem Stamm der Arthropoden gehören verschiedene Klassen an, darunter, die Insekten, die Hundertfüsser und die Tausendfüsser, die Krebstiere und die Spinnentiere.
Diese letzte Klasse umfasst Spinnen, Skorpione, Milben, Zecken und andere für den Menschen weniger wichtige Arten. Die Spinnen gehören der Ordnung der Aranea (=Araneida) an und weltweit gibt es gut 40.000 Arten, die in 101 Familie zusammengefasst werden.

Sie werden in zwei Unterordnungen aufgeteilt: Mygalomorphae und Araneomorphae. Die erste umfasst Spinnen mit primitiveren Eigenschaften, breit, behaart (mit irritierenden Borsten), mit Cheliceren (Mundwerkzeugen), die sich parallel zur Körperachse bewegen, während der zweiten Unterordnung hauptsächlich netzbauende Arten angehören; ihre Cheliceren bewegen sich senkrecht.

EVOLUTION

Es gibt nur wenige Fossilfunde von Spinnen, bis heute glaubt man, dass sie zu den ersten Tieren, die auf der Erde lebten, gehören. Die Spinnen haben sich vor circa 400 Millionen Jahren Anfang der Devon Periode aus wasserlebenden Vorfahren, die beeindruckende Größen erreichen konnten (bis zu 1,5 Meter), entwickelt.

Das erste Spinnenfossil, Attercopus fimbriungus, ist 380 Millionen Jahre alt (diese Tiere lebten 150 Millionen Jahre vor dem Auftauchen der Dinosaurier), hat einen segmentierten Unterleib und besitzt Spinndrüsen. Das größte Fossil hingegen ist Megarachne servinei, es ist circa eineinhalb Meter groß und hat vor 300 Millionen Jahren gelebt. Die meisten der primitiveren Spinnenfossile (Mesothelae) sind segmentiert und weisen unter dem Unterleib (auf halber Höhe) Spinndrüsen auf. Man glaubt, dass es sich um Jäger anderer Arthropoden handelt und dass ihre Spinnseide zu anderen Zwecken gebraucht wurde, zum Beispiel zur Auskleidung ihres Baus oder zum Schutz ihrer Eier, aber es wurde noch nicht zum Fang der Beute gesponnen.

Spinnen, die ihre Spinndrüsen am Ende des Unterleibs haben (Opisthothelae) sind hingegen vor circa 250 Millionen Jahren aufgetreten, die erste Spinne der Myalomorphae ist in diesem Zeitraum in Erscheinung getreten. Man kann davon ausgehen, dass das Auftreten wirklicher Spinnennetze erst später parallel mit der Evolution der fliegenden Insekten begonnen hat. Das Tertiär ist schließlich die Periode, in der die meisten spinnenähnlichen Fossile im Bernstein gefunden wurden.

ANATOMIE

Die Spinnen werden oft fälschlicherweise mit den Insekten verwechselt, auch wenn sie sehr eindeutige und offensichtliche morphologische Eigenschaften aufweisen, die augenscheinlichste darunter ist das Vorhandensein von acht Beinen (die Insekten haben nur sechs). Den aufmerksamsten Beobachter wird bestimmt aufgefallen sein, dass ihr Körper aus nur zwei Teilen besteht und nicht aus drei wie bei den Insekten, Kopf und Brust sind vereinigt und bilden den Cephalothorax.

Das andere Segment ist der Unterleib, an deren Ende man die Spinndrüsen, die dazu dienen die Spinnseide zu produzieren, finden kann, die Seide tritt in flüssiger Form aus und wird beim Kontakt mit der Luft hart. An der Kopfregion kann man die Augen – es handelt sich um einfache Augen, ihre Anzahl variiert von zwei bis vier Paar, sie können aber auch ganz fehlen - , die Pedipalpen – für den Tastsinn – und die aufgrund des Vorhandenseins einer beweglichen Klaue hakenförmigen Cheliceren, diese Klaue ist mit Giftdrüsen verbunden, die die Giftstoffe produzieren, um die Beute bewegungsunfähig zu machen.

SPINNEN IN DER WELT UND IN UNSEREM LAND

Die größten Vogelspinnenartigen sind exotisch und wegen ihres auffälligen Aussehens werden sie oft in Terrarien von Spinnenliebhabern gezüchtet. Da sie robust und behaart sind, werden sie oft fälschlicherweise als Taranteln bezeichnet (die Amerikaner benutzen auch den Namen Tarantulas), dieser Name wurde von der europäischen Art Lycosa tarantula abgeleitet, eine Araneomorphae der Familie Lycosidae.

Unter den Vogelspinnenartigen tritt die Familie der Theraphosidae hervor, ein Vertreter ist die Gattung Avicularia. Diese enorm große auf Bäumen lebende Arachnidae besitzt ein legspan von 10-15 cm (Länge vom ersten Bein auf einer Seite bis zum letzen Bein auf der anderen Seite), sie lebt in den amerikanischen Wäldern (Peru, Ecuador, Venezuela, Brasilien, etc.). Das erste mal wurde sie 1705 in Surinam von einem Schweizer Naturforscher beschrieben, der ihr den Namen Avicularia oder Vogelesser ( Avi=Vogel, cularia=Esser) gab. Tatsächlich schließt ihre sehr wechselhafte Ernährung außer anderen Arthropoden auch kleinere Tiere, wie Frösche, Fledermäuse, Reptilien, Nagetiere und seltener auch Vögel (Kolibri) mit ein.

Diese Spinne baut sich ein dichtes röhrenförmiges Seidennetz als Unterschlupf, das sie durch Schutt und Blätter tarnt, sie verwendet sowohl Blätterstücke, als auch ganze Blätter, wobei sie die Seide als Klebstoff verwendet. In Gefangenschaft kann diese Spinne lange leben, die Weibchen bis zu 10 Jahren, während die Männchen nur ein Jahr leben.

Obwohl sie ein Jäger ist, hat sie einen sehr sanften Charakter und man kann sie häufig in Wohngegenden in der Nähe von Wäldern antreffen. Einige amerikanischen Völker nutzen diese und andere Arten der Teraphosidae als Nahrungsmittel.

Andere Teraphosidae sind, die lachsfarbene brasilianische Spinne (Lasiodora parahybana), die schwarze brasilianische Spinne (Grammostola pulchra), beides bodenbewohnende Spinnen, der Goliath birdeater, also der Goliath Vogelesser, dessen wissenschaftlicher Name Theraphosa Biondi ist. Sie lebt in Brasilien, Venezuela, Surinam, Guyana und Französisch- Guyana und ist zusammen mit Theraphosa opophysis die größte Spinne der Welt, die erwachsenen Weibchen können tatsächlich 25-30 cm oder mehr legspan erreichen.

Die Vogelspinnenartigen in Italien werden durch die Familie Atypidae mit 4 Arten der Gattung Atypus, Ctenizidae mit 22 Arten vertreten; Therophosidae mit der einzigen in Sizilien vorkommenden Art Ischnocolus triangulifer, Dipluridae mit der in den nördlichen Regionen vertretenen Art Brachytele icterica.

Die Araneomorphae weisen hingegen eine viel größere Anzahl von Familien und Arten auf, die nicht nur Seide produzieren können, sondern auch mehr oder weniger komplexe Spinnennetze bauen, um ihre Beute zu fangen. Die runden Spinnennetze besitzen einen höheren Perfektionsgrad, was in der Schönheit und Regelmäßigkeit ihrer Struktur Ausdruck findet. Bei dieser Art von Spinnennetzen sind die radialen Spinnfäden nicht viskös und erlauben der Spinne sich über die gesamte Oberfläche ohne Probleme zu bewegen, während die spiralförmigen Fäden klebrig sind und dazu dienen die Beute zu fangen.

DIE GIFTIGEN ARTEN

Die meisten Spinnen auf unserem Planeten sind nicht gefährlich für den Mensch, aber einigen sollte man wegen ihrem sehr toxischem und sogar tödlichem Gift aus dem Weg gehen. In den vereinigten Staaten hat man ausgerechnet, dass es mindestens 60 Arten gibt deren Biss für den Menschen schädlich ist.

In Südamerika lebt eine Furcht erregende, aggressive und schnelle Arachnidae, die Phoneutria nigriventer, die eine Maus mit gerade einmal 0,006 mg ihres Giftstoffs töten kann. Genauso gefährlich wie ihr Ruf ist die schwarze Witwe (Latrodectus mactans), die besonders in Kanada und in ganz Südamerika verbreitet ist: es wurde geschätzt, dass das Gift eines Weibchens 15 mal so giftig ist wie das einer Klapperschlange.

In Australien lebt die Atrax robustus, das Gift des Männchens ist 5 mal stärker als das des Weibchens und kann Lungenödem und sogar Herzstillstand beim Menschen hervorrufen. In Afrika können die Spinnen der Gattung Sicarius durch ihr Gift schwere Blutungen hervorrufen. In verschiedenen Teilen der Welt ist die Violinspinne (in englisch Brown reckluse spider) recht häufig anzutreffen, sie gehört der Gattung Loxosceles an. Es handelt sich um eine kleine (1-1,5 cm), braune Spinne , die Ödeme und auch schwere Geschwüre hervorrufen kann.. Die europäischen Arten sind weniger giftig und sie haben einen sanften Charakter, was die Möglichkeit Schaden anzurichten sehr einschränkt.

Eine andere fast kosmopolite Arachnidae, die in Europa und auch in Italien vorkommt und potentiell gefährlich ist, ist der Dornfinger (Cheiracanthium punctorium), dessen Biss nekrotische Hautverletzungen und neurotoxische Erscheinungen hervorrufen kann. Von Natur aus ist sie nicht aggressiv, aber sie kann während der Eiablage gefährlich werden, um ihren Nachwuchs zu verteidigen.

In Italien leben noch zwei andere giftige Spinnenarten, die europäische schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus), sie ist schwarz und hat dreizehn rote Punkte am Rücken, ihr Gift ruft Störungen des Nervensystems hervor (Zittern, Arrhythmien und Muskelkrämpfe) und die Tarantel (Lycosa tarentula), dessen Biss sehr viel weniger gefährlich ist und nur einen starken Schmerz und anschließende Rötung mit sich bringt.

HÄUFIGE ARTEN IN MENSCHENBEWOHNTEN GEGENDEN

Andere Spinnen können als schädlich angesehen werden, weil sie in Häusern und Gebäuden leben und ihre Spinnennetze in Winkeln an der Decke und verschiedenen Hohlräumen bauen. Hierzu gehören die Zitterspinne (Pholcus phalangioides), die aufgrund ihrer wippende Bewegung, die sie bei Störungen ausführt, so genannt wird, die Tegenaria und die Nuctenea umbratica, robuste Nachtjäger, die kleinen Syctodes, die ihre Opfer fangen, indem sie extrem klebrige Fäden auswerfen, Amaurobius fenestralis, die röhrenförmige Unterschlüpfe bauen, in denen sie sich verstecken und warten bis die Beute sich in einen der äußeren Fäden verfängt.

Andere Spinnen bevorzugen die Vegetation, hierzu gehören die häufig anzutreffenden Gartenspinnen oder Kreuzspinnen (Aroneus diadematus), die vielfarbig gestreifte Wespenspinne (Argiope bruennichi), die Krabbenspinnen mit den typischen seitlichen Bewegungen (Thomisidae), die Wolfspinnen (Pisauridae), Jäger in niedriger Vegetation und auf der Erde, die Springspinnen (Salicidoe), die ihre Beute fangen, indem sie sich langsam nähern und dann auf sie springen und die, sollten sie gestört werden, nicht zögern mit kurzen Sprüngen zu fliehen.

Anmerkungen zu rechten und zitaten

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